Der Ort Neuthard entsteht
Das Gebiet, auf dem der Ort Neuthard liegt, gehörte im frühen Mittelalter zum Besitz des Königshofes in Bruchsal.
Im Jahr 1056 schenkte Kaiser Heinrich III. das gesamte Gebiet mit Burgen, Dörfern, Leuten und Rechten dem Bischof von Speyer.
Wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden im Zuge des Landausbaus durch Rodungen Bauernsiedlungen in Büchenau, Neuthard und Forst. Diese drei Dörfer werden in den mittelalterlichen Urkunden meist zusammen genannt. Neuthard entstand in der niederen Hardt als Hofstelle auf einem Hochgestade in der Niederung der Pfinz. Der Name des Ortes "Neuthard" und das Gewann "Hostert" weisen auf diese Entstehung hin.
Hinweise auf die Entwicklung der Besitzverhältnisse in Neuthard geben die Urkunden über das Zehntrecht. Der Grundherr hatte für seine Leute auf seinem Grund und Boden eine Kirche und Kapelle zu errichten. Dafür mussten die hörigen Bauern den großen Zehnt für den Unterhalt der Kirche und den kleinen Zehnt für den Unterhalt des Pfarrers abliefern. Zwei Drittel des Zehnten von Neuthard waren bis 1803 dauernd im Besitz des Bischofs von Speyer. Ein Drittel des Zehnten hatte anfangs wechselnde Besitzer, bis dieser Teil 1319 an das Kloster Frauenalb kam und dort bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb.
Neuthard wird urkundlich erstmals im Jahr 1281 erwähnt, als der Edle Otto von Bruchsal unter anderem auch seine Rechte und Leute in Neuthard dem Bischof von Speyer übereignete. Da der Ort auf der Gemarkung Bruchsal lag, gehörten die Leute kirchlich zur Pfarrei St. Peter in Bruchsal. Im Verzeichnis der Pfarreien des Bistums Speyer aus dem Jahr 1450 wird Neuthard noch nicht als selbständige Pfarrei aufgeführt.
Die Pfarrei St. Sebastian entsteht
Bischof Ludwig von Helmstedt (1478-1504) gründete mehrere neue Pfarreien. Von ihm erhielt der Pfarrer Jakob Konrad im Jahr 1496 die Erlaubnis, in Neuthard Pfarrpfründe zu verkaufen. Die Pfründe waren die wirtschaftliche Voraussetzung für das Bestehen einer Pfarrei. Seine Nachfolger waren nachweislich in der Pfarrei Neuthard investiert, die ursprünglich zum Dekanat Graben gehörte und nach der Reformation zum Dekanat Bruchsal kam.Im Jahr 1602 wurde in Neuthard anstelle einer Fachwerkkirche die erste Kirche aus Stein errichtet. Beide standen auf dem Platz der heutigen Kirche, waren aber nach Osten ausgerichtet. Ein Visitationsbericht belegt, dass die Kirche damals nur einen Altar besaß und auch sonst sehr spärlich ausgestattet war.
Im Dreißigjährigen Krieg und in den folgenden Franzosenkriegen (bis 1714) wurde Neuthard mehrfach geplündert und zerstört, die Bevölkerung stark dezimiert. Von 1616 bis 1716 hatte Neuthard keinen eigenen Pfarrer mehr. Erst 1716 wurde die Pfarrei neu errichtet. In den anschließenden Jahren wurden nacheinander Kirche und Altar restauriert, ein Pfarrhaus errichtet, 1749 die erste Orgel und drei Glocken angeschafft.
Dekan und Pfarrer Hebenstreit (1739-1768 als Pfarrer hier) belebte das religiöse Leben in Neuthard durch die Einführung von Rorateämtern, Maiandachten, Flurprozessionen, Wallfahrten auf den Michaelsberg und nach Waghäusel, sowie Prozessionen durch den Ort am Patrozinium und an Fronleichnam. Die Erfüllung seines Wunsches nach einer neuen Kirche konnte er wegen eines langen Rechtsstreites mit dem Kloster Frauenalb nicht erleben. Erst 1791 wurde die neue barocke Kirche zu Ehren des Hl. Sebastian eingeweiht. Die Glocken der alten Kirche und die erst 1779 gekaufte zweite Orgel kamen wieder in die Kirche; eine Turmuhr wurde neu eingebaut.
1803 kam Neuthard zu Baden und 1827 die Pfarrgemeinde zur neuen Erzdiözese Freiburg. 1869 wurde ein neues Bronzegeläut und 1875 eine neue Orgel gekauft. Die Orgel erbaute die Durlacher Orgelbaufirma Voit und Söhne, sie umfasst vierundzwanzig Register und steht heute unter Denkmalschutz. 1988 wurde sie mit hohem Kostenaufwand total renoviert.
1891/92 wurde die Kirche um etwa das Doppelte nach Süden erweitert, erhielt andeutungsweise ein Querhaus und einen größeren Chorraum. Die neue Ausstattung im neoromanischen Stil wurde nacheinander in den folgenden Jahren beschafft, sodass die Kirche erst am 3. Januar 1900 geweiht werden konnte. 1970/71 wurde die Kirche nach den Grundsätzen des II. Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Mit dem neuen Chorbild "Die Heilsgeschichte" von P.V. Feuerstein (1980/82) erhielt die Kirche ein besonderes Kunstwerk.
Die Pfarrei zählt heute 2257 Katholiken ( Stand 01.01.2018 ), die in zahlreichen Gruppierungen das Leben der Pfarrgemeinde prägen und im Pfarrheim St. Bernhard einen Treffpunkt haben.
